Puppenphilosophie

Wenn du die kleine Hand mir gibst,
die so viel Ungesagtes sagt,
habe ich dich jemals dann gefragt,
ob du mich liebst?

Ich will ja nicht, daß du mich liebst,
will nur, daß ich dich nahe weiß
und daß du manchmal stumm und leis
die Hand mir gibst.

(Hermann Hesse, 1877-1962)

Die Welt der Kinder ist eine Welt der Fantasie. Es ist eine Welt, in der Feen über eine Blumenwiese schweben, Elfen nachts im Mondenschein um einen See tanzen und Prinzessinnen in einem Schloss leben und dort auf ihren Prinzen warten.

Ein gefundener Stock aus dem Wald wird zum Zauberstab, jeder glitzernde Kieselstein zum wertvollen Edelstein.

In dieser Welt der Kinder ist die Puppe Freundin und Vertraute des Kindes, die sie auf dem Weg der Entdeckungen und Abenteuer begleitet. Sie teilt die Freude des gefundenen Schatzes, tröstet über eine erlebte Enttäuschung hinweg und lässt sich vom Kind aber auch selbst ermutigen, das damit zeigen kann, wie stark es ist.

So entsteht eine enge und feste Beziehung zwischen dem Kind und seiner Puppe, die einzigartig ist und an die man sich auch als Erwachsener noch ein Leben lang erinnern kann.

Die von mir von Hand und mit viel Liebe gefertigten Puppen bekommen von mir keine Namen; dies ist das Vorrecht des Kindes, das seine Puppe in die Arme schließt. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn ich nachträglich den Namen der Puppe erfahren würde. Das ist immer ein ganz besonderer Moment für mich!

In den Geschäften finden sich heute viele Puppen, die mit ihren verschiedenen Funktionen Aufmerksamkeit erregen. Diese Puppen können schreien, sich nass machen und besitzen manchmal sogar ein schlagendes Herz auf Knopfdruck.

Ich habe erlebt, wie zwei kleine Mädchen etwa 3-4 Jahre alt, sich auf einer Wiese begegnet sind. Die Puppen wurden ausgezogen und zu einem Sonnenbad auf eine Decke gelegt, während die kleinen Damen auf Entdeckungsreise gingen. Beim Abschied nehmen stellten Kinder und Mütter etwas betroffen fest, daß sie die Puppen nicht unterscheiden konnten.

Wenn eine Puppe so austauschbar ist, verliert sie ihren eigentlichen Wert als individueller, einzigartiger und besonderer Freund und Vertrauter des Kindes. Darauf möchte ich als Mutter für mein Kind nicht verzichten.

Aus diesem Grund erschaffe ich nicht austauschbare Puppenkinder, Elfen und Feen als fantasievolle Begleiter und Freunde für's Leben.

Denn eine solche Kinderliebe zur Puppe ist etwas Besonderes und Kostbares, das gehütet und gefördert werden sollte.